Irmi - eine Omi von der Straße
für sie kam jede Rettung zu spät
Montag
Ivonne von den Eberswalder Straßenkatzen bekam einen Hilferuf: eine Streunerin, die im Wohnviertel gefüttert wurde, baut seit einiger Zeit merklich ab. Der erste Verdacht war „Niere oder Zähne“ (Nieren-insuffizienz oder FORL). Wir hatten einen OP-Termin für Mittwoch bei der Tierärztin ausgemacht. Sie hechelte, als sie bei uns ankam. Wir hatten gedacht, dass sie sich vielleicht während der Fahrt sehr aufgeregt hatte. Am Abend habe ich Irmi noch eine Weile beobachtet, irgendwas kam mir komisch vor. Nachdem sie sich in eine Höhle verkrochen hatte – ihren Kopf merkwürdig nach vorn gestreckt hielt.
Dienstag
Ich rief in der Praxis an & bat darum, gleich vorbeischauen zu dürfen. Irmi hatte zwar die Nacht gefressen, aber sie atmete komisch. Bei der Tierärztin wurden wir dazwischen geschoben. Hier war ihre pumpende Atmung ganz deutlich zu sehen. Ich ahnte nichts Gutes… Um mehr zu wissen, musste Irmi in eine leichte Narkose versetzt & geröntgt werden. Und dort war der Beweis: Irmi erstickt. Ihr Herz war riesig & die Lunge mit Wasser gefüllt. Die Entscheidung, sie gehen zu lassen, fiel in diesem Moment leicht, denn man konnte sich das Leid nicht länger mit anschauen. Wir haben Irmi aus der Narkose nicht mehr aufwachen lassen… Der eine oder die andere Katzenbesitzer fragen sich vielleicht, weshalb wir nicht versucht haben, Irmi zu retten. Aber das ist gar nicht so leicht. Denn als erstes sollte man sich immer die Frage stellen: Tut man das für sich oder für die Katze? Irmi ist zwar eine recht zahme, aber dennoch eine Staßenkatze gewesen. Sie kennt Gefangenschaft & die Nähe zu Menschen nicht. All die Diagnostik & anschließenden Therapien, die man ggf. hätte anstrengen können, hätten bedeutet, die verängstigte Katze einzusperren, weg von ihrer gewohnten Umgebung. Es ist ja nicht so, dass sie uns Menschen geliebt & sich bei uns wohl gefühlt hätte. Für Irmi wäre das wochenlang Stress gewesen & ob Behandlungen Erfolg haben, ist nicht gesichert. Zusätzlich ist die Maus schon eine alte Dame gewesen & ihr Körper nicht mehr fit & robust. All das geht mir durch den Kopf, wenn ich eine mir fremde Katze dort auf dem Tisch bei der Tierärztin liegen habe & ich die finale Entscheidung fälle. Glaubt mir, das fällt nicht leicht, egal, wie oft ich das in diesem Jahr bereits tun musste. Aber meine oberste Priorität ist: Leid vermeiden (wenn nicht sogar verhindern).
Irmi, altes Ömchen, bitte verzeih, dass Deine letzten Stunden voll von Angst & Stress waren. Wir hoffen, Du verspürst keinen Schmerz mehr & bist an einem friedlichen Ort. Gehab‘ Dich wohl & grüße all‘ die anderen Kätzchen, die nicht mehr unter uns weilen.


